Trude Richter, die gute Seele der Bücher

Trude Richter
Trude Richter
Foto: Archiv Beni Eisenburg

Durch ihre Kunst ist sie unvergessen«, sagte der Pfarrer bei der Beerdigung von Trude Richter im September 1988 im Tegernseer Friedhof. Wenn man ihr Werk betrachtet, zum Beispiel auch die vielen Illustrationen, mit denen sie über Jahrzehnte unsere Zeitschrift TEGERNSEER TAL bereicherte, trifft das voll zu, doch in der Bevölkerung ist ihr Name heute weitgehend unbekannt; sie lebte ja auch die letzten Lebensjahre in Tegernsee sehr zurückgezogen.

Geboren wurde Trude Richter vor hundert Jahren, am 16. Januar 1908, in Krakau, aufgewachsen ist sie in der Tschechoslowakei und in Österreich. Schon vor der Fünfjährigen war kein leeres Blatt Papier sicher, das Zeichnen und Malen sollte ihr Leben werden. Mit 16 Jahren kam sie an die Hochschule für Angewandte Kunst in Wien, dort hatte sie so bedeutende Lehrer wie Roller, Cizek und Feilerer. Mit neunzehn Jahren verdiente sie ihr erstes Geld im Atelier von Professor A. Breuhaus in Düsseldorf, nächste Station war die Graphische Kunstanstalt Wolfenberger in Zürich. Es folgten Reisen nach Frankreich, Spanien und Prag, wo sie als selbständige Werbegraphikerin arbeitete. Ihr Ziel aber war Amerika, das Visum hatte sie schon, doch dann machte der Ausbruch des Zweiten Weltkrieges diesen Plan zunichte.

Einen Namen machte sich Trude Richter als Buchillustratorin, unzählige Bücher sind mit ihren unverwechselbaren Zeichnungen geschmückt. Sie war sehr vielseitig, Aquarelle, Tuschtechnik, doch vor allem ihre Zeichnungen, wie sie sich in TEGERNSEER TAL-Hef-ten finden, zeigen ihre Meisterschaft — und so schrieb Hans Sollacher zum vierzigjährigen Jubiläum dieser Kulturzeitung: »Trude Richter war uns eine liebenswerte Begleiterin mit dem Zeichenstift.« Immer wieder stößt man auf ihre Arbeiten, zum Beispiel in »Das große Buch vom Viktualienmarkt«, »Die Wallfahrt nach Andechs«, »Der Striezi«, oder in dem wunderbaren Büchlein für junge Leute »Lieber Gott, ich freue mich.« Ich habe mich auch immer gefreut, wenn ich ihr gelegentlich über die Schultern schauen durfte und das Entstehen ihrer trefflichen Zeichnungen miterleben konnte. Sie liebte ihre Arbeit, Ruhestand kannte sie nicht, zumal sie wegen ihrer kleinen Rente Weiterarbeiten musste, und so kam auch ein reiches Werk zusammen - an die 150 Bücher hat sie illustriert und mit ihren ideenreichen Zeichnungen viele Geschichten erst zum Leben erweckt.

Zeichnung von Trude Richter: Szene auf einer Kuh-Weide: ein Hund jagt einen Stier,

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