Ludwig Ganghofer - ein Tegernseer!

  Ludwig Ganghofer
Ludwig Ganghofer
Foto: Archiv Beni Eisenburg

Heuer werden es 100 Jahre, dass Ludwig Ganghofer Tegernseer Bürger wurde. Ab 3. April 1919 war er in Tegernsee amtlich gemeldet.

Einen Anteil daran hatte sicher auch Ludwig Thoma, der sich ja schon 1908 auf der Tuften niedergelassen hatte. In einem Brief vom 27. Juni 1908 schreibt Ludwig Thoma an Ganghofer: „Ich bedauere, dass so viele Kilometer zwischen Dir und mir liegen und es unmöglich machen, für ein paar Stunden in den Heimgarten zu gehen.“ Ludwig Ganghofer suchte lange nach einer passenden Bleibe am Tegernsee. In der Villa „Marie“ am Leebeg fand er dann, was er suchte. Auf Anraten von Ludwig Thoma baute er das Haus noch um. Leider verblieb ihm hier nur eine kurze Zeit, denn am 24. Juli 1920 verstarb er ganz überraschend in seinem Haus. Ganghofer war in Tegernsee sehr beliebt, bei jedem Wetter spazierte er, angetan mit seinem Lodenmatel, durch den Ort, immer freundlich grüßend und zu einem Ratsch aufgelegt.

1855 als Sohn eines Forstmeisters in Kaufbeuren geboren, studierte er zunächst Philologie und Philosophie. Ab 1881 arbeitete er als Journalist und Dramaturg am Ringtheater in Wien, ab 1895 dann als freier Schriftsteller. Ganghofer war ungemein fleißig. Mit 25 Jahren erhielt er seinen Doktor und im gleichen Jahr brachte er den „Herrgottsschnitzer“ heraus - es war der Beginn einer erfolgreichen Schriftstellerlaufbahn. Viele seiner Romane wurden verfilmt.

1882 heiratete Ganghofer die junge Schauspielerin Kathinka Engel. Mit ihr und den drei Kindern zog er 1894 nach München und gründete dort die Münchner Literarische Gesellschaft, deren Präsident er dann wurde. Er sammelte einen illustren Freundeskreis um sich: Künstler, Maler, Musiker u.a. Seine Liebe galt außerdem der Jagd, in seinem Jagdhaus im Gaistal verbrachte er viel Zeit mit seinen Jagdfreunden. Am gleichen Tag, als er sich in Tegernsee anmeldete, gab er die Gaistaljagd auf und schrieb: „Abschied von dem mir so lieb gewordenen Tirol“.

Bei der 100-Jahr-Feier 1955 in Tegernsee hielt Dr. Otto Guggenbichler die Festansprache, Willi Rösner las Jagdgeschichten und der Kiem Pauli erzählte von seiner Freundschaft mit Thoma und Ganghofer. Er betonte: „Es ist das Schönste, dass die Künstler im Tegernseer Tal immer mit dem Volk Kontakt gehalten haben.“

Ludwig Thoma sagte nach Ganghofers frühem Tod: „Mir war er der letzte Repräsentant einer lieben Vergangenheit, bei dem ich immer Heimat fand, wenn ich ihn besuchte.“

Beni Eisenburg

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