Der dritte Schlossherr von Tegernsee

Portrait von Prinz Karl von Bayern

Prinz Karl von Bayern, Stahlstich von A. Fleischmannnach einem Gemälde von Joseph Stieler (1853)
© Museum Tegernseer Tal

Wenn heuer an bekannte und verdiente Wittelsbacher gedacht wird, etwa an König Max I. Joseph zum 200. Todestag oder König Ludwig I. anlässlich seiner Thronbesteigung vor 200 Jahren (Landesausstellung in Regensburg), dann soll Prinz Karl auch nicht unerwähnt bleiben.

Als 1841 die Königin-Witwe Karoline verstarb, erbte Prinz Karl, der jüngere Bruder von König Ludwig I., Schloss Tegernsee und die dazu gehörigen Besitzungen. Der 1795 geborene Prinz Karl wurde für die militärische Laufbahn erzogen, er war Feldmarschall und Generalinspektor der Armee.

Der Prinz galt als der Wohltäter Tegernsees und so steht es auch an einer Büste aus Carrara-Marmor im Tegernseer Schloss mit der Inschrift: „Tegernsees edlem Wohltäter Carl k. Prinz von Bayern in unvergänglicher Dankbarkeit.“

„Nie lag der Reichtum in besseren Händen“, schrieb ein Zeitgenosse. Es würde hier zu weit führen, alle Wohltaten und Stiftungen aufzuführen. Er liebte die Natur und bewahrte vieles vor der Zerstörung. In seinem Auftrag überplante Carl von Effner die Anlage vor dem Schloss, wo sich heute die Wiese und der Parkplatz befinden, ließ Beete anlegen und Blumen Pflanzen. Diese Anlage war lange als „Schmetterlingsgarten“ bekannt. 1867 zu seinem 25-jährigen Jubiläum als Schlossherr wurde ihm zu Ehren ein großes Fest ausgerichtet mit Scheibenschießen und Bergfeuer. Der Prinz war in Tegernsee eine Institution! Karl Stieler beschreibt den Prinzen so: „Eine dicke Lockenfülle wuchs ihm in die gewölbte Stirn, tiefblaue Augen blickten aus den feinen und dennoch weichen Zügen.“ Mit 28 Jahren heiratete er die Hauptmanns-Tochter Sophie Petit, die nach 6-jähriger Ehe stirbt. 1859 geht er wieder eine morganatische Ehe mit Henriette Schöller ein und ließ für sie später das als Villa Frankenburg bekannt gewordene Haus erbauen. Das Haus war noch nicht fertig, da stirbt auch diese seine Frau.

Ein Ausspruch von ihm ging leider in Erfüllung, er würde es als Glück betrachten, einmal in den Himmel hinein reiten zu können. Am 16. August 1875 stürzte er zwischen Tegernsee und Rottach bei seinem gewohnten Ausritt vom Pferd. An dieser Stelle wurde später zum Gedenken an ihn die neugotische „Prinz-Karl-Kapelle“ erbaut. In Tegernsee gibt es noch die „Prinz-Karl-Allee“ und den „Prinzenweg“. Als er am 19. August 1875 in Söcking beigesetzt wurde, wünschte er weder militärischen noch kirchlichen Prunk. Nur seine beiden Adjutanten, der Geistliche und Prinz Luitpold in Zivil begleiteten den Sarg.

Beni Eisenburg

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